Archiv der Kategorie 'Artikel'

Auf in den Kampf …Juristerei gegen die junge Welt und ihre Autoren geht weiter

Nach den beiden Prozessen gegen Geschäftsführer und Chefredakteur der jungen Welt, die beide mit einem Freispruch endeten, geht die Juristerei gegen die Zeitung und ihre Autoren weiter. Am Mittwoch, den 23. November 2011, finden gleich zwei Prozesse statt. Zum einen gegen Inge Viett von der radikalen Linken, weil sie für die Rosa-Luxemburg-Konferenz 2011 einen Diskussionsbeitrag geschrieben und vorgetragen hat, den die Staatsanwaltschaft als kriminelle Tat einstuft (Amtsgericht Tiergarten, 9 Uhr, Raum B 136, Wilsnacker Straße 4). Zum anderen gegen den stellvertretenden Vorsitzenden der Linkspartei in Nordrhein-Westfalen, weil der sich nach Ansicht der Staatsanwaltschaft strafbar gemacht hat, indem er in einem jW-Beitrag von deutschen Mördersoldaten in Afghanistan sprach (Landgericht Berlin, 12 Uhr, Turmstr. 91, 10599 Berlin, Raum 1/501) . Wir werden über beide Fälle noch ausführlich berichten, an dieser Stelle möchten wir aber schon mal darum bitten, beide Prozesse zu besuchen. Die Gerichte fordern wir vorsorglich auf, ausreichend Besucherplatz zur Verfügung zu stellen. Weiterlesen.

Strafbarer Inhalt? – Berliner Staatsanwaltschaft versucht erneut, junge Welt einen Maulkorb zu verpassen

Sie, liebe Leserinnen und Leser der jungen Welt, wollen mit Brandanschlägen »die verfassungsgemäße Ordnung und das friedliche Zusammenleben der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland« untergraben. Das meint zumindest die Berliner Staatsanwaltschaft. Angestachelt dazu wurden Sie angeblich vom Chefredakteur der jungen Welt, Arnold Schölzel. Denn der habe es billigend in Kauf genommen, daß in seiner Zeitung ein Diskussionsbeitrag von Inge Viett veröffentlicht wurde, in dem die Autorin die These aufstellt: »Wenn Deutschland Krieg führt und als Antikriegsaktion Bundeswehrausrüstung abgefackelt wird, dann ist das eine legitime Aktion…« Das sei veröffentlicht worden, »um in der jüngeren Vergangenheit in Berlin verübte Brandanschläge auf Fahrzeuge der Bundeswehr (…) zu billigen«. Und um auf diese Weise bei der Leserschaft der jungen Welt »die Bereitschaft zu fördern und zu wecken, gleichgelagerte Taten zu begehen«. Am kommenden Mittwoch, den 2. November wird Schölzel deshalb um 11.00 Uhr beim Berliner Amtsgericht Tiergarten vor dem Richter stehen, Inge Vietts Prozeß folgt am 23. November.

Hintergrund ist ein Diskussionsbeitrag, den Inge Viett als Vertreterin der radikalen Linken in Vorbereitung der Podiumsdiskussion der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2011 in der jungen Welt veröffentlicht hat. Darin ruft sie weder zu Gewalttaten auf noch behauptet sie, daß solche legal seien. Sehr wohl aber stellt sie die These auf, daß in dem Falle, daß Deutschland Krieg führe, Widerstand legitim sei. Nach Ansicht der Berliner Staatsanwaltschaft könne man so was weder denken, sagen oder gar veröffentlichen, ohne sich strafbar zu machen. Nicht zum ersten Mal versucht sie, uns einen Maulkorb zu verpassen und empfindliche Geldstrafen gegen verantwortliche Mitarbeiter zu verhängen. Zuletzt hat sie jW-Geschäftsführer Dietmar Koschmieder Ende September wegen der jW-Berichterstattung über die Aktionen gegen die Castor-Transporte vor Gericht gestellt. Koschmieder mußte freigesprochen werden.

Quelle: Junge Welt vom 29.10.2011

Junge Welt: Prima Lima-Pluralismus

»Sollen Partei und Bundestagsfraktion der Linken in diesem Blättchen Anzeigen schalten – und es damit am Leben erhalten?« Fast die Hälfte der Bundestagsabgeordneten seien dagegen, der jungen Welt den Geldhahn zuzudrehen, schreibt die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Alles Lüge. Denn aus dem Geldhahn der Linken tröpfelte es bestenfalls. Zudem: Anzeigen sind keine milden Gaben. Vielmehr gehen die Auftraggeber davon aus, daß die junge Welt diese Partei zwar gelegentlich scharf kritisiert – aber doch nicht wenige der Leserinnen und Leser deren potentielle Wähler sind, oft in Gewerkschaften und Bewegungen als Multiplikatoren aktiv. Wenn also die Linkspartei die junge Welt schneiden würde, nähme sie vor allem selber Schaden. Auch deshalb ist der Anzeigenboykott mittlerweile vom Tisch. Weiterlesen.


Bild: AUSRISS LIMA-PLAKAT 2011

Junge Welt: Radikaler Schnitt

Die junge Welt wird schon immer vom Verfassungsschutz beobachtet. Weil sie der »Klassenkampfidee nicht abgeschworen« habe, wie es im aktuellen Bericht der Behörde heißt. Sie ist Gegenstand von bösartigen Pressekommentaren und Polizeiüberfällen. In der Vergangenheit haben bürgerliche Medien allerdings sensibel reagiert, wenn die Staatsanwaltschaft versuchte, mittels Hausdurchsuchungen auf recherchierte Unterlagen der jW-Redaktion zuzugreifen (im Bild: Polizeieinsatz in den Räumen der jungen Welt vom 11.Juni 1996). Oder wenn über Gerichtsverfahren Meinungs- und Pressefreiheit eingeschränkt werden sollten. Weil davon später auch jedes andere Medium, das unbotmäßig berichten will, betroffen sein könnte.

Heute ist das anders. Das liegt auch daran, daß Bereitschaft und Möglichkeit für unbotmäßige Berichterstattung und Recherche schwinden. Statt dessen finden Vokabeln und Bewertungen, die sich bezahlte Staatsschützer zur Verleumdung der jungen Welt ausdenken, leichten Eingang selbst in für links gehaltene Medien. Gespräche mit der jungen Welt hingegen werden möglichst gemieden.

Das gilt auch für die ehemals linksalternative Tageszeitung (taz). In ihrer Ausgabe vom 13. September rät diese der Linkspartei als einzig wirksames Mittel, um sich als »Motor eines rot-rot-grünen Lagers« zu etablieren, zu einem harten »Schnitt mit Stasi-Nostalgikern und autoritären Linken im Dunstkreis der jungen Welt.« Die andere Möglichkeit wäre verbalradikale Polemik: »Und die Ostpragmatiker werden weiterhin murren, ohne je die Machtprobe zu riskieren«. Beide Gedanken waren zuvor in anderen Zeitungen zu lesen. Die Financial Times Deutschland (FTD) forderte am 25. August 2011: »Die Linkspartei muß endlich Konsequenzen ziehen und sich von den Kommunisten abgrenzen.« Im Spiegel Nr. 35 vom 28. August 2011 heißt es unter der Überschrift »Mutlose Bartschisten«: »Doch die Reformer, die sogenannten Bartschisten, wagen den Aufstand nicht, obwohl sie zahlenmäßig in der Mehrheit sind«. Aber immerhin: »Schon macht das Schreckgespenst ›Spaltung‹ die Runde.«

So hätten die Herrschenden die Linkspartei gerne: Als zahnloses Anhängsel irgendeiner politischen Farbkombination. Allerdings stehen da nicht nur Kommunisten und die junge Welt im Wege: Forderungen wie »Weg mit HartzIV«, »Abzug aus Afghanistan«, »Weg mit der Rente mit 67« hält die taz in ihrem Kommentar für ein hinderliches Abgrenzungsmantra. Einen Tag zuvor beschwerte sich das Blatt im Gespräch mit Gregor Gysi: »Oskar Lafontaine hat der jungen Welt demonstrativ solidarisch ein Interview gegeben (…) Waren Sie überrascht oder enttäuscht, daß Lafontaine die junge Welt per Interview unterstützt?« Von taz bis FAZ geht es weniger um Kommunismus oder junge Welt, sondern vielmehr um die Lafontainschen Haltelinien: die müssen weg, um die Linkspartei endlich richtig ankommen zu lassen. Warum die Zeit drängt, beschreibt die FTD im obengenannten Beitrag: »Die Kapitalismuskritik steuert derzeit eine unübersehbare neue Blüte an.« Eine Zeitung und eine Partei, die der Klassenkampfidee noch immer nicht abgeschworen haben, gefallen der Konkurrenz da eben überhaupt nicht.

Mitwirkung gesucht!
Für unsere Kampagne »Pressefreiheit verteidigen: 1000 Abos jetzt« suchen wir Leserinnen und Leser, die in zwei bis drei Sätzen ihre Zustimmung bzw. Ablehnung zur Arbeit der jungen Welt skizzieren und uns erlauben, diese mit Foto, Namen und Ortsangabe zu veröffentlichen. Denkbar wäre auch eine Aussage, wie Sie diese Kampagne konkret unterstützen.

Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge mit Bild an aktionsbuero[at]jungewelt.de oder per Brief an den Verlag (Aktionsbüro junge Welt, Torstraße 6, 10119 Berlin). Herzlichen Dank,
Aktionsbüro

Quelle: jungewelt.de

Junge Welt: Ein jW-Titel und seine Folgen

Dokumentation. Reaktionen auf die Ausgabe der jungen Welt vom 13. August 2011. Eine Auswahl

Die jW-Titelseite vom 13.August wurde in den Konzernmedien zum Skandal hochgeschrieben. Einzelne Stimmen riefen zum Boykott der Zeitung, manche sogar zu ihrem Verbot auf. Auch innerhalb der Linken regte sich Widerspruch. Mit Blick auf die ursprünglich für heute geplante und aus terminlichen Gründen auf den 22.September (19 Uhr) verschobene Diskussionsveranstaltung in der jW-Ladengalerie (Torstr. 6, Berlin-Mitte) zu dem kontroversen Aufmacher, dokumentieren wir Beiträge, die entweder im Internet zirkulieren oder uns auf anderen Wegen erreicht haben. (jW) Weiterlesen.


Bild: jW-Titelseite vom 13./14. August 2011

Linkspartei: Gysi droht Niederlage

Sie bejubelten den Mauerbau und sollen deshalb keine Anzeigen von der Linken mehr bekommen. Das will Gregor Gysi. Doch die Linkspartei folgt ihm wohl nicht.

Im Streit um eine Zusammenarbeit mit der linksradikalen Zeitung „Junge Welt“ droht Linksfraktionschef Gregor Gysi eine Abstimmungsniederlage. Für 28 Jahre Mauer hatte sich das Blatt in seiner Ausgabe vom 13. August bedankt. Doch anders als Gysi es fordert, will eine große Anzahl der linken Abgeordneten im Bundestag einen Anzeigenboykott nicht akzeptieren. Das wurde am Wochenende auf der Klausurtagung der Fraktion in Rostock deutlich.
30 der 76 Abgeordneten unterzeichneten bisher einen Aufruf gegen einen Anzeigenboykott. Weiterlesen.


Bockige Parteigenossen: Gregor Gysi dringt mit seinem Vorschlag, der linksradikalen „Jungen Welt“ keine Anzeigen mehr zukommen zu lassen, wohl nicht durch.

Junge Welt: Danke, danke, danke

Besonders freue ich mich über die Idee, jW von Linken-Freiluftbegängnissen auszuschliessen. Da kann die Redaktion mal zeigen, wie sie Mauern überwindet und Hunde an der Laufleine mit einem Freiabo gefügig macht!
Mathias Wedel, Schriftsteller

Die von Teilen der Linkspartei initiierte Boykottkampagne gegen die junge Welt hat eine heftige Kontroverse und auch Entrüstung ausgelöst. Während Christoph Nitz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Linken Medienakademie, verkündet, wegen der »Danke«-Titelseite vom 13. August (»zynisch und menschenverachtend«) die Medienpartnerschaft mit junge Welt nicht fortsetzen zu wollen, erfahren wir nicht zuletzt von zahlreichen Linke-Basisgruppen Unterstützung. Die »Kommunistische Plattform ›Clara Zetkin‹« im Linke-Landesverband Hamburg hat »anläßlich des Boykottaufrufs gegen Eure Zeitung aus den üblichen Kreisen der Partei« auf dem traditionellen »Methfesselfest« in Eimsbüttel eine Unterschriftenaktion zur Solidarität mit junge Welt gestartet. »Für diese Aktion gab es viel Zuspruch, auch und vor allem von Mitgliedern und Symathisanten der Partei, unter anderem hat die Europaabgeordnete Sabine Wils diese Liste unterzeichnet«, schreiben die Genossen von der Elbe. Und weiter: »Als Mitglieder der Partei Die Linke rufen wir dazu auf, denjenigen, die diese Partei als ihr Eigentum sowie als Jobbörse für zukünftige Regierungsbeteiligungen betrachten, klare sozialistische Standpunkte entgegenzusetzen und nicht zuzulassen, daß die politischen Interessen der breiten Mehrheit der Mitglieder dieser Partei dem opportunistischen Anpassungs- und Unterwerfungsdruck einer kleinen Gruppe Interessierter geopfert werden.« Ähnliche Reaktionen gab es bei jW-Verteilaktionen, so auch auf dem Linke-Sommerfest in Potsdam am vergangenen Wochenende. An diesem Samstag ist das jW-Aktionsbüro übrigens beim Friedensfest in Strausberg. Weiterlesen.

Kommentar: „Einfach mal: Danke!“

Ein Kommentar von Uwe Kalbe aus dem Neuen Deutschland

Man mag von der »jungen Welt« halten, was man will. Aber dass sie jetzt der breiten politischen Gegnerschar der Linkspartei als Vehikel für einen weiteren Feldzug dient, das hat sie nicht verdient. Die Redakteure, die in der Provokation zum 13. August offenbar eine Art Geschichtsaufbereitung sahen, müssten über das unerwartete eigene Gewicht erschrocken sein, so oberflächlich war ihr Versuch angelegt.
Campact – Waffen

Trotzdem kann es für die LINKE nach der absurden Aufforderung zur Distanzierung nur eines geben: Distanzierung. Selbst der parteiinterne Aufruf zur Trennung von der »jungen Welt« ist damit entwertet. Und er ist auch fragwürdig. Weil geschichtsvergessen. Zumindest gilt dies für die Anfeuerungsrufe der DDR- und LINKE-Hasser, die kaum verhehlen, was sie lieber täten, als sich zu beschweren: die »junge Welt« zugrunde richten. Das ist auch nur eine Variante des »Sputnik«-Verbots.

Die zunehmende Hysterie bei der Beurteilung von Geschichte muss die Linkspartei allerdings persönlich nehmen, denn gegen sie ist diese gerichtet. Ob Antisemitismus, Stalinismus oder Mauerbau – die Ideen zur Diffamierung der LINKEN hat die LINKE oft genug selbst geliefert. Der Brief der Bürgerrechtler an ihre Führung hätte deshalb die Überschrift der »jungen Welt« übernehmen können: Einfach mal: Danke!

RPB: Yes to Junge Welt!

Die Revolutionäre Perspektive Berlin solidarisiert sich mit der Junge Welt:

Am 13. August hat die junge welt ein Titelblatt zum Mauerbau veröffentlicht, das für einigen Wirbel gesorgt hat. Bestimmte Kreise innerhalb und außerhalb der Linkspartei fordern nun offensiv den Boykott der linken Tageszeitung. Unabhängig davon, ob man fragliches Titelblatt als gelungen betrachtet oder nicht muss es uns darum gehen die Versuche der Isolierung der jungen welt entschieden zurückzuweisen. Die junge welt ist ein wichtiges linkes Medium, dem unsere Solidarität gebührt. Sie berichtet kontimuierlich über verschiedenste Themen der linken Bewegung: Antifaschismus, Antimilitarismus, Repression, marxistische Theorie und vieles mehr. Verschiedene Einschätzungen zur DDR, zum Mauerbau und anderen Themen müssen auch kontrovers diskutiert werden können.

Für mehr Debatten statt plumper Hetze!

Quelle: www.perspektive.nostate.net

„Drecksblatt, das man austrocknen muss!“ – Hintergrund der Kampagne gegen die junge Welt

Gefakte Unterschriften

In dem Aufruf „Freiheit und Sozialismus“, der zum Boykott der linken Tageszeitung junge Welt auffordert, wurden offenkundig Unterschriften gefälscht. So war zum Beispiel dort unter dem Namen von Ruben Lehnert aus Berlin-Neukölln zu lesen: „Als Freund des Trotzkismus kann ich die Stalinisten der ‚Jungen Welt‘ nicht leiden und hoffe, dass sie bankrott geht. Viva Marx 21! Grüße an Yaak Pabst und Luigi Wolf.“ Aufgeflogen ist die Manipulation erst durch einen bloßen Zufall, als sich ein Aktivist auf einer parteiinternen Mailing-Liste über Ruben Lehnerts vermeintliche Unterstützung des Aufrufs wunderte und dieser auf Nachfrage mit den Worten „Diesen Eintrag habe ich nicht verfasst“ dementierte.

Wie oft kommt es denn vor, dass die Unterschrift eines der mittlerweile über 400 Unterzeichner parteiöffentlich zum Gegenstand von Kritik wird und der Betreffende es dann auch noch mitbekommt, so dass er überhaupt die Möglichkeit hat zu dementieren? Sofern er nicht wirklich prominent ist, was hier nicht der Fall ist, mag das recht unwahrscheinlich sein. Die Frage ist, wie viele gefakte Unterschriften finden sich unter dem jW-Boykottaufruf sonst noch? Wie viele davon sind überhaupt Mitglieder? Offenkundig ist man selbst als einfacher Aktivist gezwungen, dort nachzuschauen, ob man nicht selbst Opfer einer solchen Manipulation geworden ist. Weiterlesen.




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: